"Ausgezeichnet! Die kreativsten Zeitungen Europas"

Wenn das Sparpaket zum Rotstift wird

Visualisieren ist Norbert Küppers Geschäft: 50 Zeitungen hat der Layout-Papst schon neu gestaltet. Beim Lokaljournalistenforum hat er gestern kreative Zeitungsseiten aus ganz Europa präsentiert – mit überdimensionalen Rotstiften, tangotanzenden Büchern und Totenkopfmais.

Wer eine optisch herausragende Zeitungsseite gemacht hat, darf seit 1999 jährlich auf einen „European Newspaper Award“ hoffen. Veranstalter des Wettbewerbs ist Zeitungsdesigner Norbert Küpper, hier in Deutschland so was wie der Layout-Guru der Branche. Gestern im Bürgerzentrum hat er die Preisträger des Jahres 2010 vorgestellt – garniert mit dem typisch trockenen Küpperschen Humor.

Der Trend, so stellt Küpper zu Beginn fest, geht immer noch zu größeren Bildern – und längeren Texten. Außerhalb des deutschsprachigen Raums setzt sich das Tabloid-Format immer mehr durch: Zeitungen kann man dann wie Zeitschriften durchblättern. Aktuell trifft’s laut Küpper gerade das krisengebeutelte Irland. Bei den Titelseiten haben sich Bilder mittlerweile durchgesetzt – und die Politik ist dort längst nicht mehr unter sich.

Küpper präsentiert ein Beispiel aus der Thüringer Allgemeinen, wo groß ein Bild von André Rieu auf der Seite eins prangt. Für ihn ein „deutlicher Kaufanreiz“, weil André Rieu den Leser interessiere – auch wenn Kulturredakteure dabei Magenschmerzen bekommen. Dass auch eine kleine Zeitung mit einem spektakulären Bild überraschen kann, zeigt Küpper am Beispiel der portugiesischen Zeitung „Diário de Notícias“. Zu sehen ist eine Nasa-Aufnahme der Insel Madeira, aus der Vogelperspektive, umringt vom Ozean. „Selbst eine kleine Lokalzeitung schafft es, sich so ein Bild zu besorgen.“

Durch Burka auf Eiffelturm gucken

Abstrakte Themen, die plastisch dargestellt werden, prämiert Küpper bei seinem Zeitungspreis ebenfalls. Die Wirtschaftskrise erscheint da als verbranntes Monopoly-Spielbrett. Die Gentechnik taucht in der Gestalt eines Totenkopf-Maiskolbens auf, in Sachen Sparpaket sticht auf der Seite ein riesiger Rotstift heraus – und beim französischen Burkaverbot wird der Eiffelturm aus der Burka-Perspektive gezeigt. Der Argentinien-Schwerpunkt der Buchmesse kommt in der Gestalt einer Bücher-Figur daher, die mit einem Mann Tango tanzt.

Küpper geizt dabei nicht mit ironischen Seitenhieben auf die sonstige Praxis. Bleiben wir bei der Buchmesse: „Schön wäre, die Messehalle von außen zu fotografieren – das funktioniert auch immer wieder mühelos im Lokalteil.“ Nach so vielen tollen Beispielen konfrontiert Moderator Lutz Feierabend, stellvertretender Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, Küpper mit der Praxis: Aktuell für den nächsten Tag wird’s mit Überflieger-Bildern schwierig. „Brauchen wir immer vier Monate Vorlauf?“

Internet als Ideenlieferant

Nach Küppers Ansicht nicht. „Oft haben Sie gesehen, dass Sie Bilder und Überschrift nur verbinden müssen.“ Außerdem gebe es das Internetportal Fotolia als Ideenlieferant, bei dem man sogar Fotos für 99 Cent bekommen soll. Allein von Leuchttürmen existieren da laut Küpper 2,5 Millionen Bilder, wenn auch meist nur in geringer Auflösung. „99 Cent – das können wir uns gerade noch leisten.“

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Videointerview mit Lutz Feierabend